Phimose

Die Phimose oder Vorhautverengung ist eine Verengung der Öffnung der Vorhaut des Penis. Dadurch lässt sich die Vorhaut nicht oder nur mit Schmerzen hinter die Eichel zurückziehen.

Sollte bei Ihrem Kind der Verdacht auf eine Phimose bestehen, so wenden Sie sich an unsere Poliklinik.

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Phimose versus Präputialverklebung

Nicht zu verwechseln ist eine Phimose mit der Präputialverklebung, die auch physiologische Phimose genannt wird. Diese natürlich vorhandene Verklebung der Vorhaut mit der Eichel ist bei Neugeborenen physiologisch (normal) und löst sich fast immer in den ersten Lebensjahren von selbst. Bei sechs Monate alten Knaben ist nur bei 20 % die Vorhaut komplett zurückstreifbar, bei Einjährigen ist dies bei 50 %, bei Dreijährigen zu 90 % der Fall. Zum Zeitpunkt der Pubertät haben sich bei 1-3 % der Jungen diese Verklebungen noch nicht gelöst. In weiterbestehenden Fällen kann sie als primäre Phimose Probleme bereiten.

Bei Versuchen, diese Verklebungen vorzeitig durch wiederholtes Zurückziehen der Vorhaut oder durch Sonden zu lösen, besteht die Gefahr von Einrissen der Vorhaut, die zu einer sekundären Phimose führen können.

Eine Phimose kann auch im späteren Alter durch nachlassende Hautelastizität oder durch Narben von Verletzungen oder Entzündungen neu auftreten (erworbene oder sekundäre Phimose).

Welche Folgen können durch eine Vorhautverengung resultieren?

Folgen der Vorhautverengung können die Ansammlung von Smegma, daraus resultierend Hygieneprobleme und häufige Entzündungen der Eichel sein. Bei besonders ausgeprägter Phimose kann die Harnentleerung erschwert sein, da der Urin beim Harnlassen nicht ungehindert durch die verengte Vorhautöffnung abfließen kann und sich zunächst unter der Vorhaut staut. Die Vorhaut bläht sich dabei ballonförmig auf. Schmerzen bei der Erektion sind ebenfalls mögliche Folgen unbehandelter, bis in die Pubertät bestehender Vorhautverengungen. In manchen Fällen treten aufgrund der Phimose Probleme wie wiederkehrende Entzündungen der Eichel und/oder der Vorhaut auf, die ebenfalls die Narbenbildung und damit die zunehmende Verengung der Vorhaut begünstigen. Daher wird bei derartigen Komplikationen eine Kontrolle durch den Kinderchirurgen empfohlen.

Was ist eine Paraphimose?

Als kinderchirurgisch-urologischer Notfall spielt auch die Paraphimose (auch "Spanischer Kragen" genannt) eine Rolle. Wird eine zu enge Vorhaut gewaltsam hinter die Eichel zurückgestreift, so kann es dadurch zur Einklemmung der Eichel und damit zu Störungen des Blutabflusses kommen. Die Eichel und die eingeklemmte Vorhaut schwellen dann stark an, was sehr schmerzhaft ist und ein Wiedervorstreifen der Vorhaut zunehmend erschwert. Wenn sich das Ödem nicht durch Druck und vorsichtige Massage beseitigen lässt, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann unter örtlicher Betäubung entweder die eingeklemmte Vorhaut oft erfolgreich wieder unblutig über die Eichel in die Normalposition vorziehen, oder sie andernfalls operativ spalten, um eine akute Schädigung der Eichel durch Mangeldurchblutung zu verhindern. Bei Nichtbehandlung droht neben starken Schmerzen auch durch Absterben von Gewebe der Verlust der Eichel.

Behandlung einer Phimose

Für die Behandlung der Phimose stehen nach heutigem medizinischen Stand mehrere Möglichkeiten der Behandlung offen, deren Auswahl auch von Art und Ausprägung der Phimose abhängig sind. Beide Hauptverfahren haben Vor- und Nachteile.

  • Nichtoperative Behandlung: Sie beinhaltet die Dehnung der Phimose oder das Lösen der Verklebung durch vorsichtiges Verschieben der Vorhaut, soweit dies schmerzfrei und ohne Widerstand möglich ist, ggf. unter Aufbringen von Salbenpräparaten. Diese Maßnahme wird über einen längeren Zeitraum durchgeführt und ist bei sachgerechter Durchführung nebenwirkungsarm; insbesondere beinhaltet sie keinen schwer reversiblen Eingriff. Bei mangelndem Erfolg kann eine operative Korrektur durchgeführt werden.
  • Operative Behandlung: Eine operative Behandlung beseitigt die Phimose mit hoher Erfolgsrate umgehend. Die Komplikationen einer "Phimoseoperation" sind äußerst niedrig. Das gilt natürlich nur, wenn dieser Eingriff nach hohen fachspezifischen Standards durchgeführt wird. Nachblutungen (0,5%), und Infektionen (0,01%) sind als Frühkomplikationen zu nennen.

    Der operative Eingriff wird mit einer gezielten Schmerzausschaltung (Anästhesie) durchgeführt. Dabei wird eine leichte Allgemeinanästhesie durch eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) ergänzt. Den höchsten Sicherheitsfaktor hat man natürlich in einer Klinik, wo man reichlich Operationen an Kindern mit einem kinderanästhesiologischen und kinderchirurgischem Team durchführt und für die möglichen postoperativen Kindernotfälle gerüstet ist und das gesamte Spektrum der Intensivmedizin zur Verfügung steht.

    Es können zwei generelle operative Vorgehensweisen unterschieden werden:

    Die Zirkumzision oder Beschneidung: Hierbei wird die Vorhaut vollständig entfernt.

    Die Vorhautplastik: Es ist in vielen Fällen möglich einen Teil der Vorhaut zu belassen (teilweise Beschneidung) und nur den engen "Vorhautring" zu entfernen, so dass die Eichel teilweise oder fast vollständig bedeckt bleibt.

    Erweiterungsplastiken haben ein hohes Rezidivrisiko, d. h. ein hohes Risiko, dass erneut eine Vorhautverengung auftritt. Daher werden diese von uns nicht empfohlen.

    Die Beschneidung oder Zirkumzision kann natürlich in jedem Alter durchgeführt werden. Sie sollte aber nur in Ausnahmefällen, z. B.  bei extremer Verengung der Vorhaut mit Problemen beim Wasserlassen, wiederkehrenden Entzündungen, vernarbter Vorhautöffnung etc., vor dem 3. Lebensjahr durchgeführt werden.